Freitag, 15. Juli 2011

Sinn und Unsinn von virtuellen Welten

Die Welt ist nicht genug
Schon lange frage ich mich, was virtuelle Welten wirklich bedeuten, warum sie für manche so wichtig geworden sind und warum sie von anderen so verteufelt werden. Ich frage mich auch, warum von Vielen so streng zwischen "RL" und "SL" oder anderen virtuellen Welten unterschieden wird.
Wir alle kennen die einschlägigen Argumente der Gegner dieser Welten, die zusammengefasst ungefähr so lauten:

- Second Life is for Second People. Bedeutet: Wer im "ersten Leben" keinen Erfolg hat, sucht ihn im zweiten Leben. Oder: wessen Real Life keine Erfüllung bietet, sucht sie im zweiten. Oder: Wer im ersten Leben kontaktarm, vereinsamt und minderbeachtet ist, versucht das im Zweiten Leben zu kompensieren. Oder um es deutlich auf den Punkt zu bringen: wer im ersten Leben ein Versager ist, sieht im Zweiten Leben eine zweite Chance.

- Virtuelle Welten machen süchtig. Und Sucht jedweder Art ist böse und schädlich. Sie führt zur sozialen Isolation, zu depressiven Zuständen und letztlich zum völligen Zerfall.
- Virtuelle Welten sind unwirklich und vollkommen sinnlos, reine Zeitverschwendung. Menschen, die sich darin aufhalten sind samt und sonders psychotisch oder einfach nur dumm.

Wirkliche Argumente hört man hier nur selten. In der Regel hat man es mit genau diesen pauschalisierenden Polemiken zu tun, deren Herkunft in der Regel nicht auf eigener Recherche und eigenem Nachdenken beruht, sondern vielmehr auf dem Nachplappern vorherrschender Medienmeinungen oder schlicht der arroganten Haltung, die Dinge, die man selbst tut (Gartenarbeit, Basteln, Briefmarkensammeln) als "realer" und "wichtiger" einzustufen als die Dinge, die andere tun.
Lassen wir diese Argumente mal außen vor, denn die meisten "Bewohner" virtueller Welten können über sie ohnehin nur lachen. Noch nie hat es ein VR-Gegner geschafft einen VR-Bewohner aus seiner Welt "hinauszuargumentieren", das gelingt nicht, weil die Argumente der Gegner größtenteils von Ahnungslosigkeit und Ignoranz zeugen. Akzeptiert wird allerdings jederzeit eine Aussage wie "Ich kann mit virtuellen Welten einfach nichts anfangen, für mich ist das nichts. Aber schön für dich, wenn du dich darin wohlfühlst." Doch solche Aussagen sind leider selten.

Das häufigste Argument aber, welches zu 80% angeführt wird, und dies meist sogar von den Bewohnern solcher Welten selbst, lautet: "[i]Virtuelle Welten sind nicht real[/i]".
Und genau diesem Einwand will ich mich hier ein wenig genauer widmen, denn hier scheint ein grundlegendes Fehlverständnis dessen was "real" ist vorzuliegen.

Im Kant'schen Sinne "wirklich" sind nur wenige Dinge. Kant nennt diese "a priori Wahrheiten". Dabei handelt es sich um einige wenige Parameter des Wirklichen, die als gegeben vorausgesetzt werden. Dieses "Voraussetzen" geschieht auch nur im philosophischen Sinne, denn selbst für diese a priori Wahrheiten gibt es keinen schlüssigen Beweis. In der Tat führt Kant jedwedes Erleben der Wirklichkeit auf das Ergebnis gedanklicher Prozesse zurück, dazu gehören vor allem grundlegende Begrifflichkeiten wie "Raum" und "Zeit".

Descartes hat in seinem genialen Aufsatz, der in dem bekannten Ausspruch gipfelte "Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich" nur eines beweisen können: dass es ihn selber gibt. Alles andere bleibt unbewiesen.

 Konfrontiert man einen "normalen" Menschen mit diesen in der Philosophie gängigen und substanziellen Gedankengebilden wird er meist nicht folgen können oder wollen. Sie erscheinen ihm schlicht absurd, "abgehoben" und vollkommen fern seinem täglichen Erleben. Der Versuch, einen Normal-Sterblichen, der sich niemals tiefergehend mit Erkenntnistheorie beschäftigt hat, das Konzept des Wirklichen nahezubringen, gleicht dem Versuch, sich mit einem Kater über Einstein unterhalten zu wollen.  Den Kater interessiert das nicht. Der Kater will nur wissen, wo der Fressnapf steht, alles andere ist irrelevant - und das ist auch ganz richtig so. Es ist in der Tat irrelevant.
Wo kämen wir hin, wenn ein Kater begänne, an der Realität seiner Welt zu zweifeln? Und wie sähe es aus, wenn ein Kater in eine virtuelle Welt eintauchen würde, in welcher er virtuelle Mäuse jagt? Die Reduktion unserer Betrachtung auf diese eine putzige Vorstellung macht deutlich, wie abgehoben virtuelle Welten tatsächlich sind.

Ist der Kater also im Recht? Und damit alle Normalverbraucher, die genauso argumentieren wie der Kater? Nun dann bleiben wir doch mal bei diesem Kater, dem wir nun versuchen werden, die weiteren Bestandteile der angeblich "realen" Welt zu erklären. Denn aus der Sicht des Katers erscheinen viele Dinge vollkommen absurd, die scheinbar zu unserer Wirklichkeit gehören.
Nehmen wir an, wir fahren mit unserem Kater in Urlaub. Nach Frankreich, oder in die Schweiz, oder nach Italien - egal wohin. Wir stecken ihn in einen Katzenkorb, packen ihn auf den Rücksitz und überqueren die Grenze. In Frankreich angekommen, lassen wir ihn raus, geben ihm zu fressen und erklären ihm, er sei nun in Frankreich. Was wird der Kater antworten?

"In Frankreich? Was zur Hölle soll das sein? Ich sehe die gleichen Bäume, die gleichen Vögel, die ich gern fressen würde, ihr seid auch immer noch da und der Kellner quatscht komisches Zeug. Aber was bitte hat das mit Frankreich zu tun? Ich bin immer noch in genau der gleichen Welt, aus der ich gekommen bin, ich sehe keinen Unterschied. Der Unterschied existiert doch nur in deinem Kopf, mein lieber Dosenöffner. Für dich gibt es so etwas wie Frankreich, für mich ist es vollkommen irreal. Wo ist der Fressnapf bitte?"

Präsident Kater
 Wir werden ihm wenig entgegensetzen können. Denn in der Tat wird es schwer, einem realen Wesen das Konzept einer Nation erklären zu wollen, denn diese Nation existiert ausschließlich in Form von Vereinbarungen und Konstrukten in unserem Gehirn. Nirgendwo sonst. Frankreich ist das, was wir "Hyperrealität" nennen - eine Wirklichkeit, die rein mental erzeugt wurde und auf a priori Wahrheiten aufbaut, ohne die es nicht einmal mental existieren könnte. Das Gleiche gilt natürlich auch für jede andere Nation...
Es geht aber weiter. Wir zücken nun die Geldbörse, um in Frankreich das Futter für den Kater zu bezahlen. Aber hier setzt es beim Kater nun völlig aus.

"Warum gibst du dem Typ da  ein Stück Plastik in die Hand und damit ist mein Futter bezahlt? Er hat dir das Plastikstück sogar wiedergegeben.... was ist passiert? Wo kommt mein Futter her?"

Wir versuchen ihm zu erklären, dass durch das Stück Plastik, welches wir "Kreditkarte" nennen, ein paar Zahlen auf unserem Konto bei der Bank verändert worden sind, die uns nun die Berechtigung erteilen, das Futter in Empfang zu nehmen und als unser Eigentum zu betrachten.

Der Kater tippt sich an die Stirn, schüttelt den Kopf und erklärt uns für vollkommen verrückt. Und hat vollkommen Recht damit. Denn wenn ER Hunger hat, und wenn es uns, die Dosenöffner nicht gäbe, würde er flugs im Wald verschwinden und die nächste Maus jagen. Die ist nämlich real. Und auch für sein Futter wurde irgendwann einmal eine Maus gejagt, respektive anderes Leben getötet und zu Katzenfutter verarbeitet. Das Futter dieses Katers ist das Endprodukt eines langen Prozesses an dessen Beginn irgendwann die Tötung eines Tieres stand. Das war real. Alles, was nun folgte war ein Gemisch aus Realität und Hyperrealität, denn bei jedem weiteren Vorgang wurden wieder nur Einsen und Nullen auf Konten bewegt, die nicht existieren. Jedenfalls nicht in der Form, in welcher Futtermitteltiere existieren.

Die sogenannte Wirklichkeit ist also in Wahrheit nichts anderes als eine satt durchmischte Ko-Existenz von a priori Realität, a posteriori Realität und Hyperrealität, von Wahrheit und Virtualität, von Gegebenheiten und Konzepten. Otto Normalverbraucher vollzieht tagtäglich mit verblüffender Selbstverständlichkeit Handlungen, die man getrost als absolut irreal bezeichnen darf.
Damit sollte also das Hauptargument gegen virtuelle Welten, sie seien "nicht real" komplett ausgehebelt sein. Virtuelle Welten sind mindestens ebenso real wie Nullen und Einsen auf einem Konto. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn wir nun also die Realität von Virtuellen Welten, oder zumindest ihre Gleichwertigkeit in Bezug auf hyperreale Geschehnisse bewiesen haben, was ändert sich dadurch in der Betrachtung und Einordnung dieser Welten? Alles.

Ein Mensch, der nun ein wirklich wirkliches Leben führen will, der sich jedweder Form von "Irrealität" sprich "Hyperrealität" oder "Virtualität" verweigern möchte, um sich und sein Dasein als "real" bezeichnen zu können, muss leider in den sauren Apfel beißen und in eine Gegend auswandern, die vollkommen ohne jede Technik und ohne jedes virtuelles Konstrukt auskommt. Er kann zu den Amish People gehen, oder sich einem Urwaldstamm in Brasilien anschließen oder sich einfach auf eine Berghütte in Alaska zurückziehen. Doch sollte er es wagen von dort auch nur eine Postkarte zu schreiben, hat er sich schon wieder in die Welt der Virtualität gewagt und sich damit selbst negiert. Es gibt kein Entrinnen aus der virtuellen Welt der Menschen, es sei denn durch völligen Verzicht auf alles, was das Leben angenehm macht. Mal ganz abgesehen davon, dass ein solches Leben im Kant'schen Sinne genausowenig real ist...

Es gibt solche Kauze, wir nennen sie "Aussteiger" und belächeln sie. Wir lassen ihnen ihren Spaß und betrachten sie als liebenswerte Sonderlinge. Es gibt solche Aussteiger sogar in virtuellen Welten, auch in Second Life. Sie bauen sich Refugien, in welchen jedwede technische Errungenschaft gebannt wird. Wir nennen das dann Rollenspiel.

Wir sollten uns mit der Erkenntnis vertraut machen, dass Virtuelle Welten ein Bestandteil unserer Welt geworden sind, und dass eine Trennung von RL und SL eine Absurdität ist. Betrachten wir virtuelle Welten doch lieber als einen zusätzlichen "Raum" für bestimmte Dinge, die wir nur dort tun können.
Wir haben seit jeher bestimmte "Räume" für bestimmte Tätigkeiten. Von der Toilette mal abgesehen, die wirklich nur einem einzigen Zweck dient, die in der Tat ein Raum ist, in welchem man sich nur aus einem einzigen Grund zurückzieht, und den wir sicher niemals verdächtigen würden, bei unseren Mitmenschen "Sucht" auszulösen, gibt es noch andere Räume, in denen wir uns nur zu bestimmten Zwecken bewegen. Nehmen wir eine Kirche. Niemand wird in einer Kirche jemals Essen kochen, fernsehen, schlafen oder sich fortpflanzen wollen (außer einigen Perverslingen, die wir dann hochkant da rauswerfen würden). Eine Kirche dient einem bestimmten Zweck, sie ist ein Raum, welchen man aufsucht, um genau diesen Raum zu erleben. Sicher können wir auch woanders beten, meditieren, kontemplieren oder einer Messe beiwohnen - aber die Kirche ist genau die Art virtueller Raum, die bestimmten Tätigkeiten unterstützend entgegenkommt. Also ziehen wir es vor, dorthin zu gehen um ebendiese Dinge zu tun. Ein weiteres Beispiel wäre der Bastelkeller eines Heimwerkers. Er geht mit Vorliebe in diesen Raum um heim zu werken. Sicher könnte er das auch im Wohnzimmer, doch seine Frau würde ihm was husten. Er könnte es auch in der Kirche, doch dort würde man ihn der Blasphemie bezichtigen. Er kann es an vielen verschiedenen Orten tun, doch der Bastelraum ist genau die Art von Raum, den er sich dafür eingerichtet hat.

Nun wird es schon schwieriger mit Argumentationen wie "wer es im ersten Leben zu nichts bringt, versucht es im Zweiten". Denn im ersten Leben kann ich bestimmte Dinge eben nicht tun, es funktioniert einfach nicht, weil die Gegebenheiten fehlen.

Ich kann im "ersten Leben" folgende Dinge nicht tun:
- Ich kann keine Musik für meine Freunde streamen, und diese dabei zeitgleich kommentieren und zeitgleich die Kommentare meiner Freunde entgegennehmen. Sicher könnte ich ein Webradio eröffnen, doch auch ein Webradio mit damit verbundenem "Chat Room" ist nichts anderes, als eine Virtuelle Welt, lediglich etwas reduziert.
Sicher könnte ich auch einfach eine Party geben, doch da können nur Freunde aus der unmittelbaren Umgebung teilnehmen, wohne ich in Hamburg, wird es ein Freund aus München oder gar aus Singapur schwer haben, dran teilzunehmen. Wie finde ich überhaupt einen Freund aus Singapur, wenn ich nicht gerade aus geschäftlichen Gründen dorthin reisen kann? Hm, stimmt. In einer virtuellen Welt zum Beispiel.
- Ich kann keine Galerie eröffnen, um Menschen aus aller Welt meine Kunstwerke zu zeigen. Sicher, Bill Gates könnte das, der hat genug Geld. Aber Otto Normalverbraucher hat dieses Geld nicht. Also bleibt ihm nur eine virtuelle Welt, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Sicher brauche ich dazu keine vollwertige Online Welt, eine Internetseite tut es auch, doch eine Galerie auf einer Internetseite ist genauso virtuell wie ein 3D Raum innerhalb einer Online Welt.
Es wäre jetzt müßig und würde den Rahmen sprengen, all die Dinge aufzuzählen, die in virtuellen Welten möglich und im sog. "ersten Leben" nicht möglich sind, ich will mich darauf beschränken, diese beiden Beispiele als exemplarisch anzusehen.
Mein Essay handelt jedoch nicht nur vom Sinn Virtueller Welten sondern auch von deren Unsinn. Es sollte also auch nicht verschwiegen werden, dass es einige Dinge gibt, die virtuelle Welten explizit NICHT leisten können.

- Virtuelle Welten bieten keinen Ersatz für essentielle Eigenschaften die wir a priori als wirklich voraussetzen, wie z.B. Fortpflanzung. Echter Sex ist nur in der a priori Welt möglich, alle virtuellen Formen der Sexualität sind nur Gedankenspiele, die zwar ebenfalls zu starker Erregung führen können, Konsequenzen haben sie jedoch nur dann, wenn man sie aus der virtuellen Umgebung heraushebt, sprich: zu "Real Life" macht.

- Virtuelle Welten können die Persönlichkeit eines Menschen nicht verändern. Sie können verändernd einwirken, sie können durch Erfahrungen, die man in virtuellen Welten macht zu einem Entwicklungsprozess führen, der eine veränderte Persönlichkeit zum Ergebnis hat, sie können jedoch nicht per definitionem einen Menschen ändern, nur weil er dort eine andere Erscheinungsform annimmt (anderes Geschlecht, Tier, Elfe).

Bleiben wir aber noch ein wenig beim "Real Life" von dem ja nun auch vollmundig behauptet wird, es "gehe immer vor". Warum geht es vor?
Schauen wir uns doch das "erste Leben" mal genauer an. Was geschieht dort?
Lange Zeit gab es für die Menschen nur dieses eine Real Life. In grauer Vorzeit, als wir noch alle so leben mussten wie die Amish, einfach weil es weder TV Geräte, noch Mobilfunk, oder Autos gab, mussten wir uns mit dem Angebot der Natur und dem Wenigen, was wir daraus basteln konnten begnügen. Doch auch dort entstanden recht bald "virtuelle Welten" für jene, die sich das leisten konnten. Schon die alten Griechen flüchteten in die die Philosophie weil sie die Banalität des Alltäglichen nicht ertrugen. Theater, Kunst jedwede Form von Kultur entfernt sich von der a priori Realität, da es nicht mit der unmittelbaren Existenz der Dinge zu tun hat. Und es bedurfte einer ausgeklügelten Ausbeutungspolitik respektive Sklavengesellschaften um diese Realitätsflucht möglich zu machen.
Die Orgien in Rom, ja selbst die Konzilien des Mittelalters, auf welchen sich Kirchenmänner über die unglaublichsten ja virtuellsten Fragen stritten (etwa, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen können) beweisen, dass der Mensch schon recht bald den Pfad des rein Irdischen verließ. Das sogenannte erste Leben fordert von uns eigentlich nur eines: dass wir überleben, dass wir uns ernähren, kleiden und fortpflanzen, all die essentiellen Dinge also, die nötig sind, unser Fortbestehen zu gewährleisten. Alles andere, was wir tun, ist auf die eine oder andere Weise virtuell: Fernsehen? Irrealer gehts nicht! Bücher lesen? Bücher handeln zu 90% von nicht-existenten Personen, nicht-stattgefunden-habenden Ereignissen. Sicher gibt es eine Menge Dinge im "ersten Leben" die wirklich Spass machen und die ziemlich real sind. Hochseefischen zum Beispiel. Oder Segelfliegen. Oder Formel1 fahren. Macht ja auch jeder. Kann sich ja jeder leisten.

Hand aufs Herz: das "erste Leben" vieler Menschen scheint wenig erstrebenswert. Die meisten Menschen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, ihr Überleben zu sichern. Sie sitzen in Büros, arbeiten für andere Menschen, schauen auf die Uhr und sind froh, wenn sie da rauskommen. Ich sehe wenig Freude an diesem "ersten Leben" welches die meisten Menschen führen, die ich kenne. Den Rest der Zeit verbringen viele dann ohnehin vor dem (völlig irrealen) Fernseher. Sicher gibt es Menschen, die richtig spannende Dinge tun. Aber selbst Menschen, die spannende Dinge tun, haben vielleicht irgendwann mal Lust darauf, in einer virtuellen Welt über eine Landschaft zu fliegen. Und wenn sie das dann tun, warum ist das dann plötzlich zweitrangig?

Resümee:
Virtuelle Welten sind ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags geworden. Wer sich gegen virtuelle Welten sperrt, negiert, dass er einen großen Teil seines Lebens ohnehin schon in virtuellen Welten verbringt, heißen die nun Theater, Kino, Fernsehen oder Literatur. Die neuen virtuellen Räume, die geschaffen wurden, um bestimmte Dinge zu tun, die man nur dort tun kann, sind nichts weiter als eine Erweiterung unserer Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten. In nichts anderem liegt der Sinn virtueller Welten.

Und genau aus diesem Grund werden sie in naher Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Ob das den "Realbürgern" dieser Welt nun passt oder nicht.
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Anhang zur Recherche:
Wer sich mit Kant's a priori Begriff auseinandersetzen möchte, findet hier einen Einstieg:
http://de.wikipedia.org/wiki/A_priori
Desgleichen um sich mit dem Descartesianismus auseinanderzusetzen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum
Natürlich ersetzt ein kurzer Blick in die Wikipedia nicht das Studium der Schriften Kants oder Descartes, abgesehen davon sind diese nicht der Weisheit letzter Schluss. Es gibt neue Modelle der Erkenntnistheorie die diesen klassischen Philosophen teilweise stark widersprechen.

Kommentare:

  1. Absolut gut und nachvollziehbar geschrieben- und ich kann irgendwie beide Seiten verstehen und könnte auch für beide Seiten eintreten.

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  2. Sehr interessante Sichtweise, die auch nachvollziehbar, jedoch schwer als Ganzes zu erfassen ist. Denn es stimmt, das man im Kern nur versucht etwas irreales in mehr oder weniger real zu klassifizieren. So als ob man versucht zu erklären das ein VW-Polo weniger Auto ist, als ein VW-Golf. Interessant ist eher der Prozesse dahinter.

    Warum merken wir nicht, das wir eigentlich nichts merken? Ist es einfach nur menschliche, oder vielleicht doch auf einen gewisse Weise anerzogen?

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